Lokales 13.05.2014

„Besitzbares“ und „bespielbares“ Petersberg – Bunte Pfeile auf Straßen

Petersberg – Von Svenja Müller – In Petersberg zieren diese und nächste Woche etliche bunte Pfeile das Kopfsteinpflaster. Dabei handelt es sich um die Aufzeichnung des Heimwegs zahlreicher Schüler. Schließlich soll  Petersberg deutschlandweit die erste „besitzbare“ und „bespielbare“ Gemeinde werden. Sitzobjekte für ältere Menschen und Spielobjekte für Kinder werden in Zukunft in der Gemeinde platziert.

Bürgermeister Karl-Josef Schwiddessen hatte schon vor ein paar Jahren von den Projekten, die erstmals in Griesheim verwirklicht wurden, gehört und einen Antrag an die Gemeindevertretung gestellt. Nach der Stadt Griesheim, könnte Petersberg die erste Gemeinde deutschlandweit werden, die ein solches Projekt realisiert. Bei der „besitzbaren“ Gemeinde sollen für ältere Menschen etwa Sitzhocker, Stangen oder Mini-Bänke errichtet werden, um sich dort eine kurze Verschnaufpause zu gönnen. Für die Kinder sollen bei der „bespielbaren“ Gemeinde Spielobjekte auf ihrem Schulweg errichtet werden. „Wir versuchen heute unseren Kindern mehr zu bieten“, sieht Schwiddessen bei der „bespielbaren“ Gemeinde eine gute Gelegenheit, um den Schülern einen attraktiveren Nachhauseweg zu gestalten. Gemeinsam mit dem Projektleiter Professor Bernhard Meyer haben der Bürgermeister und der Leiter des Fachbereichs Bauen und Wohnen Michael Amborn schließlich eine Tour durch Griesheim unternommen, um sich die Sitz- und Spielobjekte näher anzuschauen.

Konkret umgesetzt wird in diesem Jahr schon die „besitzbare“ Gemeinde. „Wir kennen ja die Thematik, weil wir immer mehr ältere Mitbürger haben“, möchte Schwiddessen den Bürgern entgegenkommen. Dazu haben die beiden Studenten Felician Schmidt und Elena dela Cruz, beide soziale Arbeit im vierten Semester, eine Umfrage bei den über 80-Jährigen in der Gemeinde gemacht. Vor Ort fragten sie, welche Wege die Anwohner regelmäßig nutzen, wo sie Hindernisse sehen und welche Ideen sie für die Errichtung von Sitzobjekten haben. „Die Leute fanden es gut“, berichtet dela Cruz: „Die haben gemerkt, dass sie von der Gemeinde unterstützt werden.“ Einige Senioren waren sogar so begeistert und riefen gleich bei der Gemeinde an, um ihre Vorschläge mitzuteilen. Viele Menschen würden sich laut Schmidt oft fragen, ob sie den Weg überhaupt schaffen, bevor sie einen Spaziergang machen. Die 67 Sitzobjekte sollen diesen Spätsommer aufgebaut werden, die Spielobjekte dann im kommenden Jahr.

Das Projekt „bespielbare“ Gemeinde wird gemeinsam mit den Schulen der Gemeinde durchgeführt. Die Schüler haben alle ein Stück bunte Kreide, je nach Klassenstufe, erhalten und Kennzeichnen ihren Heimweg mit Kreuzen. „Die Kinder machen das ganz praktisch. Für sie ist es ein Forschungsprojekt“, zeigte sich Meyer begeistert: „So bekomme wir mit, welchen Weg sie nehmen.“ An der Grundschule Rauschenberg fiel am Dienstag der Startschuss. Viele Kinder schnappten sich die Kreide und zeichneten, wie bei einer Schnitzeljagd, drauf los. Die Studenten werden nun mit Meyer die Kreuze gemeinsam in Karten übertragen, um anschließend das Seniorennetz mit dem Kindernetz zu vergleichen. Ohnehin hätte die Gemeinde mit der Umgestaltung zu naturnahen Spielplätzen in den letzten Jahren viel getan. „Wir möblieren jedes Jahr mindestens einen Spielplatz“, verriet Schwiddessen, der dabei auf die tatkräftige Mithilfe der Kinder und Eltern in den Ortsteilen bauen kann. „Dafür muss man auch Geld in die Hand nehmen, aber das ist es uns Wert“, hält Schwiddessen solche Projekte für wichtig und in der Gemeinde bestens angebracht: „Petersberg ist weltoffen und dynamisch.“

Petersberg wird „bespielbar“ und „besitzbar“ (Fotos: Svenja Müller)