Lokales 23.08.2014

Emanzipation im Straßenverkehr – Erste Ampelfrau in Fulda gesichtet

Fulda (sm) – Die Emanzipation scheint nun auch im Straßenverkehr Einzug gehalten zu haben: In der Ronsbachstraße in Fulda wurde nun die erste Ampelfrau gesichtet. Manch eine Frau wird sich über die Einführung sicherlich freuen, doch den Passanten scheint es weitgehend egal zu sein. Wichtig sei die Farbe und nicht das Geschlecht.

Fotos: Svenja Müller

Die Ronsbachstraße zwischen dem Fuldaer Wallweg und der Mainstraße wurde nach achtmonatiger Bauphase wieder für den Verkehr freigegeben. Im Zuge der Straßenbauarbeiten wurde auch eine neue Ampelanlage installiert. Das Männchen, das in Grün und Rot aufleuchtet, ist gar kein Mann mehr. Wer künftig über die Straße gehen möchte, blickt einer kleinen Dame ins Gesicht. „Ich finde das eigentlich ganz lustig“, erzählt Markus Wilde aus Fulda, obwohl er die Frau auf den ersten Blick gar nicht so wahrgenommen hatte. Ob die Aktion einen genauen Hintergrund hat, darüber hat er sich noch keine Gedanken gemacht. Außerdem hat er auch keine Angst, dass die Ampelmänner demnächst verdrängt und überall durch Frauen ausgetauscht werden. „Ich gehe auch bei dieser Frau weiterhin über die Straße“, hat Wilde mit der Änderung kein Problem und findet es eine nette Abwechslung. Ohnehin spielen für ihn eher die Signalfarben Grün und Rot eine Rolle. Ähnlich sieht das auch Vanessa Knedel aus Fulda: „Ich achte da gar nicht so drauf. Von mir aus könnte da auch eine Katze oder ein Hund drauf sein.“ Nicht das Symbol, sondern die Farbe sei entscheidend.

Auf den ersten Blick scheint ein weiterer Schritt in Richtung Emanzipation in der Barockstadt gegangen. Doch so ganz emanzipiert ist die Ampelfrau dann doch noch nicht: Sonst könnte sie ja schließlich auch eine Hose tragen. Stattdessen wurde die kleine Dame in ein Kleid gezwängt. Ist das ein Schritt in die Vergangenheit? Zugestehen muss man aber, dass sie immerhin eine einigermaßen abwechslungsreiche Frisur trägt. Bei Grün gibt es einen Zopf, bei Rot eben zwei Zöpfe, ob eine Kurzhaarfrisur möglich gewesen wäre, ist fraglich. Im Grunde ähnelt das Ampelmädchen dem Ampeljungen – kleine Details wie eine Handtasche hätten den weiblichen Verkehrsteilnehmerinnen sicherlich gefallen. Doch letztlich geht es im Straßenverkehr um wichtigere Dinge als ein gutes Aussehen. Für die Ampelfrau bleibt zu hoffen, dass sie nicht weiterhin so einsam bleibt und weitere Ampelweibchen in der Barockstadt hinzukommen. Schließlich hält sich der Fußgängerverkehr in der Ronsbachstraße in Grenzen. Die Ampelfrau ist eine Anlehnung an das ostdeutsche Ampelmännchen, das ebenfalls schon Einzug in Fulda gehalten hat. Die erste ihrer Sorte wurde 2004 in Zwickau aufgestellt. Bei der Einführung der Ost-Varianten geht es hauptsächlich darum, dass sie über eine größere Fläche verfügen und somit besser gesehen werden.