Zu diesem Thema referierte auch Professor Dr. Mariann Friese vom Institut für Erziehungswissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen. Dabei ging sie sowohl auf die gesellschaftlichen Einflussfaktoren, als auch auf die Institutionellen Strukturen sowie Konzepte und Methoden ein. „Der Wandel von Wirtschaftsstrukturen bringt besondere Herausforderungen in der Berufsorientierung“, betonte Friese. Dieser Wandel zeige sich zum Beispiel in der Verschiebung des Fachkräftebedarfs – weg von der industriellen Fertigung, hin zu Dienstleistungen. Gerade auch mit Blick auf den demografischen Wandel ergeben sich dort zusätzliche Bedarfe und dies nicht nur im Pflegesektor. Neben dem gesellschaftlichen Faktor spielen aber auch individuelle Determinanten eine Rolle: „Auftrag von Schule und Bildung ist es die Formung individueller Profile zu unterstützen“, so Friese.
Vor dem rund einstündigen Vortrag Frieses hatten Christiane Herchenhein von der Jugendberufshilfe Fulda, Ulrich Nesemann vom Amt für Arbeit und Soziales des Landkreises Fulda und Andreas Stengel, Schulleiter der Anne-Frank-Schule Gersfeld und Ansprechperson Berufsorientierung beim Staatlichen Schulamt in das Thema eingeführt. Herchenhein erläuterte kurz die drei Schwerpunkte zu denen gerade Arbeitsgruppen gebildet werden: Die Elternarbeit, neue Wege für benachteiligte Jugendliche sowie Berufs- und Studienorientierung an Schulen – „gerade auch an Gymnasien“, betonte Herchenhain. „Der Ausbildungsmarkt hat sich gedreht: Vor ein paar Jahren haben wir noch nach zusätzlichen Ausbildungsplätzen gesucht, jetzt haben wir mehr Stellen, als Ausbildungssuchende“, ging Nesemann auf die Situation für Jugendliche in der Region Fulda ein. Daher gebe eine zentrale Frage für Firmen: „Wie können wir Jugendlich für unsere Branche und unseren Betrieb interessieren?“ Im Anschluss an den Vortrag diskutierten die Teilnehmer – unter anderem Lehrer, Berufsberater und Berufseinstiegsbegleiter – in Kleingruppen. Dabei ging es beispielsweise um das „Matching“ – wie kommt der „richtige“ Schüler zu der „richtigen“ Ausbildungsstelle beziehungsweise der „richtigen“ weiterführenden Schule. OloV wurde 2008 initiiert und wird vom Land Hessen und der Europäischen Union gefördert.
