Fußball 25.02.2011

Siebenjähriger Lehnerzer wechselt zu englischem Proficlub - Fotos

Fulda (vg) – Es ist eine fast unglaubliche Geschichte, die in Fulda begann und die schon bald in England fortgesetzt wird. Die Geschichte vom siebenjährigen Jamal Musiala, der mehr oder minder durch Zufall ins Mutterland des Fußballs kam und schon bald für die Nachwuchs-Abteilung eines Proficlubs in England  gegen den Ball treten wird. Die Geschichte von einem Traum, der für einen Kicker des TSV Lehnerz schon bald Wirklichkeit werden wird.

Jamal Musiala, der am Samstag seinen achten Geburtstag feiert, lebt mit seiner Familie seit sechs Jahren in Fulda. Das Fußballspielen hatte er dank Vater Daniel Richard zwar schon immer im Blut, doch seine Ballfertigkeiten lernte er schließlich vor allem in den Jugendmannschaften des TSV Lehnerz, wo er bis zuletzt auch gespielt hat. „Als er angefangen hat, hat man schon gemerkt, dass er ein Ausnahmetalent ist. Er war vom Kopf her schon immer weiter als Gleichaltrige und hat deshalb auch immer eine Altersklasse höher gespielt“, berichtet Trainer Branko Milenkovski: „Seine Stärken liegen im Dribbeln und der Schnelligkeit. Er hat pro Spiel vier, fünf Tore für uns geschossen“.

 

Vereinssuche endete bei Southampton

Im Oktober des vergangenen Jahres verabschiedete sich die Familie Musiala jedoch für ein paar Monate: Mutter Carolin nahm die Chance wahr, in Southampton ihr Auslandstudium zu absolvieren und nahm ihre Lieben mit nach England. Auch dort wollte Sohn Jamal natürlich weiterhin Fußball spielen und so machte sich die Familie auf Vereinssuche: „Wir haben überall rumtelefoniert und sind nicht weitergekommen. Irgendwann sind wir dort einfach mal zum Stadion gefahren und haben dann von einem Feriencamp erfahren. Dort hat Jamal dann mitgemacht, einige Tore geschossen und wurde schließlich von Scouts entdeckt“, berichtet Carolin Musiala. So kam ihr Sohn zur Nachwuchs-Akademie in Southampton, wo er schließlich auch schon einige Tore für sein neues Team geschossen hat. Auch bei der dortigen Stadtmeisterschaft war der Stürmer mit von der Partie, zeigte starke Leistungen vor Scouts weiterer Vereine. Als dann plötzlich ein weiteres Angebot vorlag, konnten es weder Eltern noch der Nachwuchskicker selbst fassen: Der FC Chelsea London hatte den Fuldaer eingeladen. „Wir konnten es gar nicht glauben“, so seine Mutter, für die ihr Studium plötzlich zur Nebensache wurde. Nun stand ein Probetraining bei einem der besten Clubs der Welt für ihren Sohnemann auf dem Programm. An der legendären Stamford Bridge war er Weltstars wie Drogba sehr nahe und wurde durch die „Blues“ bereits komplett eingekleidet. Letztlich stand fest: Der FC Chelsea London wollte den Fuldaer für seine U9-Mannschaft verpflichten. Doch damit nicht genug: Als das Telefon ein weiteres Mal klingelte, erhielt die Familie Musiala zusätzlich noch ein Angebot von Arsenal London. „Wir waren einfach nur überwältigt. Als Jamal das gehört hat, musste er sogar weinen. Für ihn war es ja sogar schon eine Riesen-Auszeichnung, überhaupt eingeladen zu werden“, kann Carolin Musiala ihre Gefühle kaum in Worte fassen.

 

Entscheidung bis Ende März

Somit liegen für den Torjäger des TSV mittlerweile gleich drei Angebote von englischen Topclubs vor. Chelsea, Arsenal und Southampton haben Verträge vorgelegt. Für die Familie steht mittlerweile fest: Im Frühjahr erfolgt der Umzug nach England. „Wir müssen uns jetzt alles in Ruhe durch den Kopf gehen lassen. Wir kennen die ganzen Regeln und Bedingungen ja auch nicht. Wir werden uns die Angebote genau anschauen und dann entscheiden, zu welchem Club Jamal gehen wird“, erklärt Carolin Musiala. Wenn es nach den Schulfreunden des kleinen Ballkünstlers ginge, stünde die Entscheidung dagegen schon fest: „Sie sagen, ich soll zu Chelsea wechseln“, berichtet der Siebenjährige ein wenig verlegen. Wie auch immer die Entscheidung ausgehen wird: Vielleicht kann Fulda in zehn Jahren einem neuen Weltstar zujubeln. Einen Siebenjährigen, der drei Angebote aus dem englischen Profi-Fußball erhält, wird es in Osthessen wohl für längere Zeit nicht geben. Fotos: Christine Görlich.