Fußball 17.11.2010

Arbeitskreis Hessenliga sieht Regionalliga-Reform kritisch

Frankfurt (os) - Der Arbeitskreis Hessenliga, ein aus fünf Mitgliedern bestehender Ausschuss der hessischen Fußball-Oberligisten, hat sich auf seiner Sitzung am 28. Oktober 2010 mit den Beschlüssen des DFB-Bundestages auseinandergesetzt. Im Mittelpunkt stand dabei die beschlossene Reform der Regionalligen. Zu einzelnen Themen nimmt der Ausschuss wie folgt Stellung.

 

Spielklassenstruktur:

Kritisiert wurde, dass die „Liga“ sich zunächst gegen jede Veränderung wehrte und eine von Dr. Rauball eine Woche vor dem Bundestag unterbreitete Vorlage dann im Eilverfahren durchgepeitscht wurde. So bemängelt nicht nur Klaus Wagner (1. FC Eschborn) „die fehlende Einbindung der betroffenen Amateurvereine in den Entscheidungsprozess“. Alois Sambeth (FC Bayern Alzenau), Sprecher der Hessenligavereine und Vorsitzender des Arbeitskreises: „Innerhalb von 3 Jahren haben wir jetzt die zweite Regionalliga-Reform. Aber die Ligareform war von Anfang an eine strukturelle Fehlplanung und aus den Fehlern der ersten Reform wurde nichts gelernt.“ Die Neuordnung des Ligabetriebs sei noch nicht abgeschlossen. „Es ist vieles noch nicht fertig gedacht“, sagt Sambeth weiter. Enttäuscht zeigt sich Dieter Diefenbach (RSV Würges) auch darüber, „dass der Landesverband Bayern eine eigene RL bildet, während die Hessen mit drei weiteren Landesverbänden (Baden, Südbaden und Württemberg) sowie dem Regionalverband Südwest in eine Gruppe kommen. Allein schon die Organisation und die Vermarktung wird unter dieser Einordnung zu leiden haben.“

Ein weiterer Stein des Anstoßes ist die starre Haltung der Liga zur Einstufung der Profi-Reserven. Die Liga wollte die für das Zuschauerinteresse nachteiligen Mannschaften unbedingt in Konkurrenz zu den „normalen“ Vereinen spielen lassen, wollte aber für diese Variante nicht das geringste Entgegenkommen gegenüber den kleinen Clubs zeigen, so die Überzeugung des Arbeitskreises. Dr. Stefan Lottermann (Eintracht Wetzlar) dazu: “Wenn den Profivereinen so viel an dieser Regelung liegt, warum sind sie dann nicht bereit, den anderen Vereinen eine angemessene Entschädigung zu zahlen?“ Gaetano Patella, Präsident von RW Frankfurt: „Durch den 5-Punkte-Solidarpakt Regionalliga wurden die grundsätzlichen Probleme der Regionalligisten nicht aus der Welt geschafft.“

Als positiver Aspekt der Reform wurde begrüßt, dass ab der Saison 2012/2013 die Zahl der vierten Spielklassen von drei auf dann fünf Staffeln erhöht wird. Sambeth: „Gerade für die Reisekosten und Anfahrtswege sowohl für die Mannschaften als auch für die mitreisenden Fans dürfte das nicht ohne Bedeutung sein.“ Geändert werden sollen auch die wirtschaftlichen, technischen und organisatorischen Kriterien für die Zulassung, die dann nicht mehr beim DFB, sondern bei den Landesverbänden liegt.

Weiteren Diskussionsstoff lieferte die Regionalliga-Reform in Bezug auf die künftige Hessenliga. Durch die Aufstockung der vierten Liga von bisher 54 auf 90 Mannschaften verlieren die höchsten Landesspielklassen (Oberligen) die attraktivsten Vereine an die Regionalligen und damit auch an Qualität und Zuschauerinteresse. Für die Fußball-Oberligen könnte das das Aus bedeuten. Diese Ligen wären aus Sicht des Arbeitskreises kaum noch zu finanzieren.

 

Spielordnung:

Eine weitere finanzielle Belastung sieht der Arbeitskreis durch die Änderungen der DFB-Spielordnung zum Vertragsamateur auf die Amateurvereine zukommen. Beschlossen wurde die Anhebung der Mindestvergütung für Vertragsspieler von 150 Euro auf 250 Euro pro Monat ab dem 1. Juli 2011. Alois Sambeth „Statt die festgesetzten Summen der Ausbildungs- und Förderungsendschädigung dem Markt anzupassen, wurde die Erhöhung der Mindestvergütung für Vertragsspieler von 150 Euro auf 250 Euro pro Monat beschlossen. Durch diese Regelung hat man den Vereinen einen Bärendienst erwiesen. Von dieser Erhöhung profitieren in erster Linie die Bundesknappschaft und die Verwaltungsberufsgenossenschaft die von 100 Euro mehr pro Monat nun die Beiträge kassieren ohne eine adäquate Gegenleistung dafür erbringen zu müssen.“

 

Medienberichterstattung über die Hessenliga:

Seit der Einführung der 3. Liga und der damit verbundenen Abwertung der Hessenliga als 5. Spielklassenebene ist eine landesweite Berichterstattung nicht mehr gegeben. Enttäuscht war man beim AK Hessenliga, als Alois Sambeth über den Inhalt eines Gespräches berichtete, das er mit Werner Damm von der Sportredaktion des HR3 wegen einer über den Videotext hinausgehenden Berichterstattung führte. Der Standpunkt des HR ist klar definiert – es gibt keine Änderung. Schade, hier sind andere öffentlich rechtliche Sender kompromissbereiter!