Hünfelderin Alina Wagner feste Größe im Grünflächenamt

Von links: Alina Wagner, Matthias Dengler, Thomas Weber, Michael Gutermuth. Fotos: Agentur für Arbeit

Fulda/Hünfeld (pm/pf) – Ein bisschen weniger Theorie, dafür mehr praktische Inhalte - Was sich viele junge Menschen in ihrer Ausbildung wünschen würden, das gibt es: Die Ausbildung zum „Fachpraktiker“ beziehungsweise zur „Fachpraktikerin“. In der Region Fulda gibt es rund 20 solcher theoriereduzierter Ausbildungsgänge in vielen verschiedenen Fachrichtungen, vom Frisörhandwerk über Metallverarbeitung bis zum Verkauf.

„Die Fachpraktiker-Ausbildung ist auf Menschen ausgerichtet, die aufgrund einer Lernbehinderung die theoretischen Anforderungen einer Regelausbildung nicht ganz erfüllen und ihre Stärken eher im praktischen Bereich haben“, erläutert Michael Gutermuth von der Agentur für Arbeit in Fulda.

Einer dieser Menschen, die gut anpacken können, ist Alina Wagner. Die 19-jährige hat ihre Ausbildung zur Gartenbauwerkerin im vergangenen Jahr bei Grümel in Fulda abgeschlossen. Nun ist sie fester Bestandteil des städtischen Grünflächenamtes, wo sie schon die betriebliche Phase ihrer Lehre absolviert hatte. „Danach habe ich gefragt, ob ich weiterhin kommen kann. Ich wollte den Fuß in der Tür haben“, erinnert sich die Hünfelderin, die frühmorgens aufs Rad und dann in den Zug steigt, um Fulda zu verschönern. Auf Spielplätzen, in Parks oder anderen städtischen Grünflächen vom Aueweiher bis zum Eisweiher sieht man die junge Frau mit Heckenschere, Laubbläser oder Motorsense ausgerüstet, und stets mit einem Lächeln im Gesicht: „Ich freue mich, wenn ich in der Natur bin und die Ergebnisse meiner Arbeit sehen kann. Momentan dreht sich viel um das Säubern vom Laub. Im Frühjahr werden Pflanzen aus den Blumenzwiebeln, die ich im Herbst gesteckt habe.“

„Alles im Grünen“, urteilt schmunzelnd ihr Abteilungsleiter Thomas Weber, „Alina ist Motiviert und strukturiert und tut dem vorwiegend aus Männern bestehenden Team sehr gut.“ Dass die Ausbildungsinhalte aufgrund einer Lese-Rechtschreibschwäche reduziert waren, hat sich längst relativiert. Statt 300 Pflanzen lernte sie in der Ausbildung 150 kennen, sogar die botanischen Pflanzennamen; dass die Vermessung von Grundstücken beispielsweise herausfiel – Nebensache! Denn: In ihrer fünf bis sechs Mann starken Kolonne gibt es Arbeit für jeden.

„Es freut mich sehr, dass alles im grünen Bereich ist,“ sagt Matthias Dengler, Leiter der Agentur für Arbeit Bad Hersfeld – Fulda . „Wir haben hier ein tolles Vorbild, das Grümel, die Stadt Fulda und wir als Arbeitsagentur ermöglicht haben. Wir wollen die Sichtbarkeit erhöhen und weiterhin viele solcher Erfolgsgeschichten zusammen schaffen.“

 

Informationen

Bei einer Ausbildung zum/zur Fachpraktiker/Fachpraktikerin und Werker/Werkerin ist der Theorieanteil reduziert und der fachpraktische Inhalt der Ausbildung stärker gewichtet.

Die Ausbildung zum/zur Fachpraktiker/Fachpraktikerin ist auf Menschen ausgerichtet, die aufgrund einer Lernbehinderung die theoretischen Anforderungen einer Vollausbildung/Regelausbildung nicht ganz erfüllen und ihre Stärken eher im praktischen Bereich haben. Voraussetzung für die Ausbildung in einem Beruf als Fachpraktiker/Fachpraktikerin ist eine entsprechende Feststellung durch den berufspsychologischen Service (PSU) der zuständigen Agentur für Arbeit.

Ausbildungen zum Fachpraktiker oder zur Fachpraktikerin werden vorwiegend von Berufsbildungswerken oder örtlichen Reha-Trägern (hier: Grümel gGmbH) angeboten.  Es gibt auch die Möglichkeit einer Fachpraktiker-Ausbildung in einem Betrieb.

Wenn die Leistung und die Entwicklung der Auszubildenden es zulassen, kann während oder nach einer Fachpraktiker-Ausbildung jederzeit in eine Regelausbildung gewechselt werden.

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