In seiner Sitzung am Montag hatte der Magistrat der Stadt Bad Hersfeld entschieden, den Vertrag mit dem Intendanten der Bad Hersfelder Festspiele, Dr. Dieter Wedel, zu verlängern. Die derzeit bis 2018 geregelte Zusammenarbeit soll um vier Jahre bis zur Saison 2022 weitergeführt werden. Festspielintendant Dieter Wedel nimmt das Angebot an. „Ich freue mich besonders, dass diese Entscheidung ohne Gegenstimme gefallen ist. Das ist eine Bestätigung unser aller Arbeit.“
Bürgermeister Thomas Fehling kommentierte den Beschluss als eindeutiges Zeichen aus der Politik: „Ich bin sehr froh, dass der Magistrat sich ohne Gegenstimme für die Vertragsverlängerung mit unserem Intendanten ausgesprochen hat. Damit wird die herausragende Arbeit von Dieter Wedel in den letzten zwei Festspielzeiten gewürdigt. Es ist unser klarer Wunsch, diese Partnerschaft weiterzuführen.“
18.000 Besucher mehr– Steigerung um über 23 Prozent
Trotz aller Hinweise, dass das große, anspruchsvolle, ernste Schauspiel mit tödlichem Ausgang häufig beim Publikum nicht ankommt - schon gar nicht bei Festspielen im Sommer - wurden die 66. Bad Hersfelder Festspiele mit Arthur Millers düsterem Drama „Hexenjagd“ in der Inszenierung von Dieter Wedel eröffnet. „Erleichtert und glücklich bin ich, dass alle Abendvorstellungen von „Hexenjagd“ nahezu ausverkauft waren. Ich glaube, dass die Zuschauer gemerkt haben, dass das Stück sie persönlich angeht“, sagt Dieter Wedel. Der Wechsel zwischen großem, ernsten Schauspiel und dem heiter beschwingten Musical „My Fair Lady“ hat sich bewährt. „My Fair Lady“ war komplett ausverkauft. An sehr vielen Tagen, besonders den Wochenenden, strömten 3500 Besucher durch die engen Gassen von Hersfeld, weil sie obendrein die Wiederaufnahme der „Sommernachtsträumereien“ nach Shakespeare auf der Spielwiese sehen wollten, und am nächsten Abend das heitere Stück im Eichhof. Auf der Spielwiese und im Schloss Eichhof hat das schlechte Wetter zu Abbrüchen von Vorstellungen geführt, trotzdem haben die Festspiele bisher im Vergleich zum Vorjahr 18.000 Besucher mehr, was einer Steigerung von 23 Prozent entspricht. Insgesamt haben bis heute mehr als 96.000 Zuschauer die Aufführungen der Festspiele besucht. Das ist das beste Besucherergebnis in den letzten 10 Jahren. „Überhaupt nicht zu beziffern ist die ungeheure Werbung, für die Stadt Hersfeld durch die Festspiele und deren gewaltige Medienresonanz“, betont Dieter Wedel. „Schade, dass wir nicht die 100.000 geknackt haben“, sagte Bürgermeister Thomas Fehling und fügte zuversichtlich hinzu: „Dann steuern wir das nächstes Jahr an.“ Die Festspiele beleben die Stadt und seien „ein Motor für die Wirtschaft. Die Festspiele gewinnen stetig an Bedeutung und finden wieder zu altem Glanz zurück. Das Medieninteresse war noch nie so groß wie jetzt; Bad Hersfeld ist wieder in aller Munde.“
Die Vorstellungen von „Hexenjagd“ und „My Fair Lady“ in der Stiftsruine an den Abenden und Nachmittagen waren mit 52.141 Zuschauern grandios besucht: 96 Prozent der Plätze waren besetzt.
„Hexenjagd begeistert die Zuschauer“ schrieben viele Medien über die erstklassigen Aufführungen mit Hersfeld-Preisträger Christian Nickel, Elisabeth Lanz, Richy Müller, Horst Janson, Brigitte Grothum André Hennicke, André Eisermann, Motsi Mabuse und den anderen wunderbaren Schauspielern. Insgesamt sahen 23.927 Zuschauer „Hexenjagd“ (21 Aufführungen) in der Inszenierung von Dieter Wedel, das entspricht einer Auslastung von über 90 Prozent.
Für viele der 23 Vorstellungen von „My Fair Lady“ mit Zuschauerpreisträgerin Sandy Mölling, Cusch Jung, Ilja Richter, Gunther Emmerlich und dem eindrucksvollen Musical-Ensemble in der Regie von Cusch Jung (Choreografie: Melissa King/ Musikalische Leitung: Christoph Wohlleben) gab es schon vor der Premiere keine Karten mehr. Mit dem Traumergebnis von 99 Prozent Auslastung (28.821 Zuschauer) war „My Fair Lady“ damit noch besser besucht als der Publikumsrenner „Cabaret“ (mehr als 90 Prozent) im Vorjahr.
In „Krabat“, der Inszenierung von Joern Hinkel, beeindruckten nicht nur Profi-Schauspieler wie Anton Rubtsov, Robert Joseph Bartl, Rasmus Borkowski, Kristin Heil und andere, sondern auch über 100 Jugendliche aus Bad Hersfeld und Umgebung das Publikum. Alle zusammen erhielten den Hersfeld-Preis der Kritiker. Besonders anerkannt wurde von Medien und Fachleuten die exzellente Jugendarbeit des stellvertretenden Intendanten Joern Hinkel in Zusammenarbeit mit Schulen und Lehrern, die er auch in Zukunft fortsetzen wird. KRABAT sahen in 9 Vorstellungen rund 11.000 Zuschauer, das ist eine Auslastung von über 80 % Prozent. Die erste Zusatzvorstellung gestern Abend war ausverkauft. Sehr gut besucht waren die Nachmittags- und Abendvorstellungen. Einziger Wehrmutstropfen ist, dass die Angebote am Vormittag für Schulen weniger als erwartet angenommen wurden.
Neu im Sommer 2016 war das Theaterzelt an der Stiftsruine. Hier hat Franziska Reichenbacher ihre Fassung des Märchens „Die Goldene Gans“ gezeigt und erstmals auch Regie geführt. „Es war eine gute Entscheidung“ meint Dieter Wedel, „auch das Kinderstück näher an die Stiftsruine heran zu holen. Mir hat gefallen, dass die Kinder sich amüsieren konnten, träumen konnten und ernst genommen wurden und näher an den Darstellern dran waren, als es in der riesigen Stiftsruine möglich ist.“ Zu 18 Aufführungen kamen mehr als 1900 kleine und große Zuschauer, die Auslastung liegt damit bei fast 89 Prozent.
Die Komödie und Koproduktion mit den Hamburger Kammerspielen „Unsere Frauen“ mit Mathieu und Justus Carrière und Ulrich Bähnk im Schloss Eichhof war ebenfalls ein großartiger Erfolg: 15 Aufführungen mit mehr als 3500 Zuschauern ergeben fast 98 Prozent Auslastung.
Auch „Laurel & Hardy“, die Geschichte von „Dick & Doof“, ebenfalls eine Koproduktion mit den Hamburger Kammerspielen, mit Roland Renner und Ulrich Bähnk startete sehr gut. Leider aber hat das schlechte Wetter ab Ende Juli das Gesamtergebnis getrübt. Eine Vorstellung musste ganz abgesagt werden, andere wurden wegen starken Regens abgebrochen. Zu 22 Aufführungen kamen 3292 Gäste, das bedeutet eine Auslastung von fast 66 Prozent.
Die Angebote auf der Spielwiese an der Stiftsruine hatten unter den schlechten Wetterbedingungen am meisten zu leiden und konnten die Erwartungen nicht erfüllen. „Der Kredit“ mit Markus Majowski und Rudolf Krause (Regie Martin Woelffer) musste mehrfach unterbrochen und auch ganz abgebrochen werden. Trotz der jubelnden Kritiken und der häufigen Hinweise in den Medien, dass es sich lohne, den „Kredit“ anzuschauen, erreichte die Aufführung nur eine Auslastung von 38 Prozent mit rund 2300 Besuchern. „Wenn mir einer voraussagen würde, alle Sommer seien künftig so verregnet wie dieser, würden wir Spielweise und Eichhof nicht mehr bespielen. Das besonders Ärgerliche war, dass tagsüber die Sonne schien, es sogar richtig heiß wurde, prompt dann die Unwetterwarnung kam, und es kurz vor Vorstellungsbeginn blitze, donnerte und aus allen Rohren goss“, erklärt Dieter Wedel.
Das schlechte Wetter traf auch die Wiederaufnahme der „Sommernachtsträumerein“ von Joern Hinkel hart. Wegen Regens mussten ebenfalls Vorstellungen unterbrochen und abgebrochen werden. Es schauten am Ende nur 2800 Zuschauer zu, das entspricht fast 55 Prozent Auslastung.
Zu der zweiten Wiederaufnahme der 66. Bad Hersfelder Festspiele, „Cabaret“ mit Bettina Mönch, Rasmus Borkowski, Kathrin Ackermann, Helmut Baumann und vielen anderen unter der Regie von Gil Mehmert und Erik Petersen können erst nach den letzten Vorstellungen am Wochenende verbindliche Aussagen gemacht werden.
„Messa Da Requiem“ von Giuseppe Verdi mit Ben Becker als Erzähler, Evelina Dobraceva (Sopra, Constance Heller (Mezzosopran), Sung Min Song (Tenor) Tobias Schabel (Bass), den mehr als einhundert Sängerinnen und Sängern des Hessischer Konzert & Festspielchor e.V. und seine Partnerchöre aus Hessen und Polen?und den 80 Musikern des Karlsbader Sinfonie-Orchesters und Mitgliedern der Virtuosi Brunenses?unter der musikalischen Leitung von Ulrich Manfred Metzger begeisterte die Zuschauer. Dieter Wedel ist froh, das riesige Unterfangen gewagt zu haben: „Ich habe die Stiftsruine noch einmal in einem ganz anderen Licht gesehen und bin fasziniert. Für mich ist klar: Diesen Genuss möchten wir im nächsten wieder den Musik- und Opernliebhabern anbieten.“ Obwohl sich eine solch üppige Veranstaltung nie von den Einnahmen her rechne, so Wedel. „Aber dafür sind Zuschüsse schließlich da.“ Es gab zwei Aufführungen mit einer Auslastung von fast 67 Prozent.
Sehr erfolgreich waren „Festspiele in Concert“. Die Konzerte von Johannes Oerding, Jan-Josef Liefers und MILOW waren ganz schnell ausverkauft. Da Zusatzkonzert von Milow kann erst am Montag beurteilt werden.
Auch das „Foyer im Grünen“, der Park rund um die Stiftsruine, erfreut sich in diesem Jahr großer Beliebtheit und hat sich etabliert. Frank Bücking hat nach den Erfahrungen im ersten Jahr die Lounge vergrößert. Auch während des ersten Sommerfestes Ende Juli im Park zeigten sich alle Besucher sehr begeistert von dem Konzept, das Dieter Wedel mit Beginn seiner Intendanz für den Park an der Stiftsruine entwickelt hat.



