Lokales 31.05.2017

Multiple-Sklerose-Tag im Klinikum – Mut machen und Vertrauen schaffen

Fulda – Von Svenja Müller – „Alles geht, aber eben nur anders…“ – das Motto des diesjährigen Welt-Multiple-Sklerose Tag brachte es auf den Punkt. Betroffene berichteten am Mittwoch in der Eingangshalle des Klinikums Fulda über die chronisch-entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems, Einschränkungen im Alltag und über Wege mit der Krankheit umzugehen.

Foto: Svenja Müller

Jedes Jahr am letzten Mittwoch im Mai findet der „Welt MS Tag“ statt. Bereits zum dritten Mal wurde eine Infoveranstaltung im Klinikum Fulda in Kooperation mit dem Landkreis Fulda, den Selbsthilfegruppen sowie der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) organisiert. Die Veranstaltung dient zum einen der Information, aber vor allem, um Aufmerksamkeit zu schaffen. So hatten sich auch dieses Mal Erkrankte, Experten, Ärzte und Angehörige zusammengefunden, um die Klinikums-Besucher über die bislang unheilbare Erkrankung aufzuklären. Deutlich wurde dabei einmal mehr, dass das Krankheitsbild der im Gehirn und Rückenmarkt verstreut auftretenden Entzündung von Fall zu Fall sehr unterschiedlich verläuft.

„Wir wollen einen Beitrag leisten, was die Aufklärung und Prävention angeht“, sagte Klinikum-Vorstandssprecher Privatdozent Dr. Thomas Menzel. Das Klinikum arbeite in einem Netzwerk mit Ärzten, Selbsthilfegruppen und vielen Ratgebern, die sich mit MS auskennen. Auch Fuldas Bürgermeister Dag Wehner überzeugte sich von dem Infotag. „Es muss unser gemeinsames Anliegen sein, über dieses Thema an dieser Stelle umfassend zu informieren“, betonte Wehner. Das Klinikum versuche die Spitzenmedizin in der Region sicherzustellen. Doch das sei nur eine Seite der Medaille. Vielmehr gehe es darum, dass die Gesellschaft etwas dafür tue, um den Erkrankten ein freies Leben zu ermöglichen. „Das Zusammenspiel von Betroffenen und Ärzten ist sehr wichtig“, sagte Wehner. Dem stimmte auch Prof. Dr. Thomas Neumann-Haefelin, Direktor der Klinik für Neurologie am Klinikum Fulda, zu. „MS ist für uns in der Neurologie die bedeutendste Erkrankung“, so Neumann-Haefelin. Gerade viele junge Menschen würden über viele Jahre, nicht nur medizinisch, sondern auch persönlich betreut werden. Umso wichtiger sei es, dass sich Betroffene an so einem Tag öffnen und über ihre Krankheit sprechen.

Genau das macht Tanja Eifert, die den MS-Tag erneut organisiert hatte, immer wieder. Sie selbst kennt sich mit der Krankheit, Symptomen und Auswirkungen im Alltag bestens aus. Das Motto „Alles geht, aber eben nur anders…“ treffe in jedem Fall auf Betroffene zu. Denn trotz Erschöpfung ließen sich Tagesaufgaben erledigen, nur anders oder etwas zeitverschoben. „Es ist uns eine Herzensangelegenheit, einen solchen Tag einmal im Jahr stattfinden zu lassen“, betonte Eifert. Schließlich seien dadurch auch tolle Freundschaften und viele Kontakte entstanden.  Bereits am Dienstag haben sich Eifert und viele weitere den Dokumentarfilm „Multiple Sklerose – Vom Kampf um den eigenen Körper“ angeschaut und zeigten sich beeindruckt.

Die Mutter vom Schweizer Filmemacher Jann Kessler ist selbst an MS erkrankt. Nach Jahren der Pflege zu Hause, konnte sie vor vier Jahren nicht mehr sprechen. Kessler befasste sich immer mehr mit MS und nutzte die Gelegenheit, als Abi-Projekt einen Film darüber zu drehen. „Ich habe mich auf die Suche nach anderen Menschen mit MS gemacht“, erzählte Kessler, der am Mittwoch ebenfalls ins Klinikum gekommen war. Sechs Menschen hatten sich dazu bereiterklärt und von ihm begleiten lassen. Doch für den Schweizer war es nicht nur ein Filmdreh, er lernte die Menschen in ihren persönlichsten Situationen kennen und baute zu ihnen eine enge Verbindung auf. „Es war oft wichtig, als Mensch da zu sein. Man hat schnell ein großes Vertrauen aufgebaut“, sagte Kessler und fügte an: „Mut geben zu können und sich mit etwas auseinanderzusetzen, ist etwas sehr Schönes.“ Eine besonders enge Beziehung zu ihm hat Luana Montanaro, die in dem Film mitspielt, aufgebaut. „Es war sofort ein Vertrauensverhältnis da“, so Montanaro, die zum Zeitpunkt des Kennenlernens oft Suizidgedanken hatte: „Der Film und auch Jann haben mich aufgefangen.“ Sie sei sehr stolz, an so einem Projekt teilgenommen zu haben. 

Erfolgreich mit ihren Büchern ist Autorin Heike Führ. Sie leidet unter dem MS-Typ Fatique und schreibt ihre Gedanken nieder. „Das ist anders als nur müde zu sein“, so Führ, die aus einem ihrer Bücher vorlas. Nach einem zehnstündigen Schlaf sei sie oft trotzdem noch müde und erschöpft. Vor allem geistig und emotional sei das eine große Belastung. „Es ist, als ob man gegen eine Wand läuft“, sagte Führ. Dennoch gibt die Autorin nie auf, hat gelernt mit den Symptomen umzugehen und setzt demnach ihre Prioritäten im Alltag.

Welt-Ms-Tag am Klinikum (Fotos: Svenja Müller)