Lokales 18.12.2017

Friedenslicht aus Bethlehem – Aussendungsfeier im Fuldaer Dom

Fulda – Von Elena Glüber – Der Fuldaer Dom war am Sonntag bis auf den letzten Platz besetzt. Menschen verschiedenster Altersgruppen waren gekommen, um an der feierlichen Aussendungsfeier teilzunehmen und das Friedenslicht nach seinem langen Weg von Betlehem nach Fulda entgegenzunehmen. Die diesjährige Aktion stand unter dem Motto „Auf dem Weg zum Frieden“.

Foto: Svenja Müller

Fotos: Svenja Müller

Vier Pfadfinder der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg (DPSG) und des Verbands Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder (VCP) machten sich am Donnerstag vor dem Dritten Advent auf dem Weg, um das Licht entgegenzunehmen, das am Sonntag in der Aussendungsfeier im Fuldaer Dom ankam. Schon von weitem waren die vielen verschiedenen Pfadfinder erkennbar, die sich alle, in ihre Kluft gekleidet, nebeneinander auf die Kirchenbänke drückten. Die Aufregung war ihnen in die Gesichter geschrieben und auch die Freude und der Stolz, die viele der Pfadfinder in ihren bunten Kluften und Halstüchern miteinander verband. „Es ist schön, wenn Menschen in Frieden miteinander leben“, sagte Pfarrer Sebastian Bieber (Diözesankurat der DPSG), der den Gottesdienst eröffnete. Kurze Spielsequenzen, die einige Pfadfinder vorspielen zeigten dabei, wie wichtig Frieden und Hoffnung in einer zerrütteten Welt sind. „In einer Welt ohne Hoffnung wollte ich nicht leben“, ergänzte Pfarrer Fried-Wilhelm Kohl von der Christusgemeinde Fulda. In seiner Ansprache machte er deutlich, dass die Hoffnung das ist, was die Menschen am Leben erhält und dass Hoffnung eine Grundlage für den Frieden in der Welt ist. Dabei suchte er bewusst den Kontakt zu den Gläubigen, blieb nicht vorne stehen, sondern ging Schritt für Schritt durch die Reihen, vorbei an den Kirchenbänken, aus dem ihm gespannte Gesichter entgegensahen und seinen Worten über Weihnachten lauschten.

Dieses Ziel verfolgt auch das Friedenslicht. Als Weihnachtsbote soll es sich immer weiter ausbreiten, damit es an Heilig Abend so viele Menschen wie möglich erreicht hat und bei ihnen im Wohnzimmer an den Frieden der Weihnacht erinnert. Und dann war es soweit: Die Beleuchtung des Doms ging aus, durch die Menge ging ein Raunen, als sechs Pfadfinder mit Fahnen den langen Gang langsam bis nach vorne zum Altar schritten. In den Händen trug einer der Pfadfinder die Laterne, in der das Friedenslicht brannte. Im Hintergrund sang der Chor „Von guten Mächten wunderbar geborgen“. Die Töne hallten an den hohen Kirchenwänden wider und mischten sich mit dem zarten Kerzenlicht zu einer weihnachtlich, behaglichen Atmosphäre.

Am Altar angekommen, erzählte Floris Steinbach, wie er zusammen mit Helena Gering, Jannika Kugelmeyer-Netwich und Sebastian Becher Richtung Wien aufgebrochen ist, um dort am Aussendungsgottesdienst das Licht in Empfang zu nehmen, das dort schon einen langen Weg von Betlehem hinter sich hatte. Mit dem Zug ging es von Wien zurück nach Fulda, wo er im Dom mit den anderen Pfadfindern stand, um das Licht an die Gläubigen weiterzugeben. Zwei Pfadfinder kamen und entzündeten ihre eigenen Kerzen, die sie in den Händen hielten an dem Friedenslicht. Dieses gaben sie an Pfarrer Bieber und Pfarrer Kohl weiter, die mit diesen wiederum anderen Kerzen entzündeten. Nach und nach breitete sich das Kerzenlicht aus, erreichte Laternen, Grablichter, Teelichter und erhellte die dunkle Kirche. Der Schein des Lichtes flackerte an den Kirchenwänden, der Fuldaer Dom war in goldgelbes Kerzenlicht getaucht. Beim anschließenden Vaterunser fassten sich die Menschen an den Händen und beteten alle gemeinsam. Vor vielen stand dabei eine Kerze, die sich wie ein verbindendes Zeichen durch die Reihen zog.

Nach dem Dank, der speziell an Pfarrer Bieber, Pfarrer Kohl und den Chor „Wegzeichen“ gerichtet war, berichtete ein Dominikanerbruder von seiner Arbeit in Brasilien. Mit dieser will er sich gegen Sklavenarbeit einsetzen und ein Stück der Hoffnung weitergeben, die auch das Friedenslicht aus Betlehem in den Herzen der Menschen entzündet hat. Nach Aussendungsfeier ging es für viele der Pfadfinder weiter an den Fuldaer Bahnhof, wo sie mit ihrer Kerze die Kerzen anderer Menschen entzündeten und so das Friedenslicht von Betlehem weiter in die Welt trugen. In den Zügen gibt es extra Sondergenehmigungen, die es ermöglichen, mit dem Licht so weit wie möglich zu reisen und das Friedenslicht an viele Menschen weiterzugeben.

Aussendungsfeier des Friedenslichts von Betlehem. Fotos: Svenja Müller