Im Foyer des Krankenhauses herrschte reger Betrieb. Gemeinsam hatten der Landkreis Fulda, das Klinikum Fulda, die Selbsthilfegruppen sowie die Deutsche Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) Patienten, Angehörige und Interessenten eingeladen, um sich an den Infoständen zu informieren. So wurde über Diagnostik, therapeutische Möglichkeiten und auch das Leben mit MS aufgeklärt. André Eydt, Vorstandsmitglied des Fuldaer Klinikums, freute sich, dass die Veranstaltung nach dem Erfolg im vergangen Jahr auch dieses Mal wieder so gut besucht wurde. „Das ist eine unterstützenswerte Sache“, sagte Eydt. Ziel sei vor allem, Betroffene und Patienten zusammenzubringen. „Ich kann zusichern, dass wir auch im nächsten Jahr gerne Gastgeber sind“, versicherte Eydt. Auch Fuldas Bürgermeister Dag Wehner hob die Bedeutung eines solchen Tages vor: „Es ist wichtig, den Kontakt zu den Betroffenen zu pflegen. Es gilt hier viel an Informations- und Aufklärungshilfe zu leisten“, sagte Wehner. Umso wichtiger sei es, dass das Klinikum und die Selbsthilfegruppen in einem Boot sitzen. Auch die Stadt trage immer wieder Verantwortung und gestalte das Stadtbild so um, dass sich Betroffene besser zurechtfinden.
Erster Kreisbeigeordneter Frederik Schmitt ging vor allem auf den Slogan „Die Krankheit mit den 1000 Gesichtern“, und das Logo des T-Shirts, das die Mitglieder der Selbsthilfegruppe trugen, ein. „Es zeigt, dass es eine sehr vielseitige Krankheit ist“, so Schmitt. Stolz verkündete er auch gleich, dass der Sitz der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft – Landesverband Hessen (DMGS) im zweiten Halbjahr nach Fulda wechselt. Für die Region bedeute das, dass die Beratungen noch weiter ausgebaut werden können. Professor Dr. Thomas Neumann-Haefelin, Direktor der Klinik für Neurologie am Klinikum Fulda, erwähnte, dass MS nach wie vor die mit Abstand am häufigsten auftretende chronisch-entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems sei. Sein Anliegen sei vor allem, dass viele Menschen möglichst lange selbstbestimmt leben können. Außerdem gelte es Missverständnisse zu vermeiden, Ängste zu nehmen und aufzuklären. „Wir wollen Aufmerksamkeit erzeugen“, sagte Neumann-Haefelin.
Bernd Crusius, Geschäftsführer von DMSG-Hessen, sieht seine Hauptaufgabe darin, das Leben mit MS, den Betroffenen zu erleichtern. Um die Beratungen in Zukunft zu intensivieren, werde ein Förderkreis gegründet. Außerdem ist die Vernetzungsplattform MS-conact in Arbeit und geht am 1. Juli in die Testphase. „So gibt es einen geschützten Raum, den wir bieten wollen“, erklärte Crusius. MS-Betroffen haben in dem Forum die Möglichkeit, mit anderen Betroffenen in Kontakt zu treten und sich gegenseitig auszutauschen. „Wir wollen attraktiver werden“, sagte der Geschäftsführer. So wird von der Hertie-Stiftung auch die Beratung von jungen Leuten, die eine Familie gründen wollen, unterstützt. Unter dem Motto „MS-Planbaby“ wurde speziell eine Aktion dazu ins Leben gerufen. Außerdem gibt es seit einiger Zeit Job-Coachings. Organisiert wurde der Tag im Klinikum vor allem von Tanja Eifert, die wieder viel Spaß daran hatte. Vor allem über die MS-T-Shirts freute sie sich. Über 100 Personen hätten sich dazu bereit erklärt ihr Gesicht abdrucken zu lassen. „Das drückt die große Zusammengehörigkeit aus“, sagte Eifert.
Ruhig und gespannt hörten die Besucher der Autorin Heike Führ zu. Die MS-Betroffene hat vor einigen Jahren angefangen, sich ihre Erfahrungen von der Seele zu schreiben und auf einem Blog zu veröffentlichen. Nach überaus positivem Feedback folgte das erste Buch. „Schreiben ist für mich null anstrengend“, erzählte Führ. Sie leidet oft unter großer Erschöpfung und muss viel liegen. Dann schnappt sie sich ihr Laptop und schreibt kleine Geschichten über die Krankheit zusammen. „Es geht immer um MS und Emotionen“, so Führ, die anfügte. „Es sind klare Geschichten, die die Symptome immer klar benennen.“ Die Autorin versucht am Ende jeder Geschichte, auch immer etwas Humorvolles und Positives einzubinden.
Außerdem dem Vortrag der Autorin wurde im Klinikum eine Reihe von Fachvorträgen angeboten.
