Lokales 04.08.2016

Auf dem Weg zur Smart City - Bad Hersfeld macht Lärmpegel sichtbar

Bad Hersfeld (oz/jb) – So schön eine zentrale Lage auch sein mag: Sie ist oft mit Geräusch verbunden. Das geht Kommunen nicht anders als Hotels und Wohnhäusern. Bad Hersfeld ist als Logistikstandort sehr begehrt und ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt für den Straßen- und Bahnverkehr. Aktuell werden in der Region gleich mehrere Bauvorhaben vorbereitet, bei denen auch die mögliche Lärmbelastung eine Rolle spielt: Die A4 wird ausgebaut, im Stadtgebiet werden neue Bahntrassen entstehen und am Wehneberg sind Windräder errichtet worden.

Über Lärmbelastungen kann man trefflich streiten – oder das Thema ganz sachlich angehen. Als studierter Wirtschaftsinformatiker hat sich Bürgermeister Thomas Fehling für die zweite Option entschieden und eine App entwickeln lassen, mit der jeder Bad Hersfelder Bürger schnell und einfach den aktuellen Geräuschpegel messen kann. Solche Apps zur Lärmmessung mit dem Smartphone gibt es bereits – zum Beispiel den „Noise Immission Analyzer“ von der WaveScape Technologies GmbH, der sich im Test als besonders genau erwiesen hat. Die in Bad Hersfeld verwirklichte Innovation besteht aber darin, dass diese App ihre Daten per Fingertipp anonymisiert (und mit den Geodaten verbunden) an das [ui!] COCKPIT von Bad Hersfeld sendet, das wiederum mit der „Urban Pulse“-Datenplattform des Urban Software Institute [ui!] verbunden ist.

Möglich wurde diese Entwicklung durch die Zusammenarbeit von WaveScape mit dem Urban Software Institute, das die notwendige Datenplattform „[ui!] Urban Pulse“ bereitstellt. Auf dieser Plattform (https://badhersfeld.urbanpulse.de/ ) entsteht eine Lärmkartierung für das Stadtgebiet, an der sich jeder Bürger beteiligen kann und die auch für jeden jederzeit einsehbar ist.

Arndt Niepenberg, Gründer und Geschäftsführer von WaveScape sagt: „Wir haben eine Schnittstelle zu Urban Pulse geschaffen und in der App hinterlegt.“ So entstand die „Bad Hersfeld Smart City Lärmmessung“ als auskunftsfähiges Instrument für die Geräuschbelastung des Stadtgebietes. Dass ein Bürgermeister Software-Entwicklungen anstößt, ist vielleicht ungewöhnlich, aber sie führte in Bad Hersfeld zu einem neuen Instrument der Bürgerbeteiligung. „Die Datenbank wird eine Basis für politische Entscheidungen sein. Und sie liefert eine sachliche Datenbasis für Diskussionen“; sagt Thomas Fehling.

Auf den „Noise Immisison Analyzer“ ist Fehling bei eigener Internet-Recherche gestoßen: „Ich habe nach einer präzise und verlässlich arbeitenden App für die Lärmmessung gesucht und nach einem Anbieter, der so flexibel ist, diese App in unsere Plattform zu integrieren.“ Diesen Anbieter hat die Stadt in WaveScape gefunden und ist auch mit der Zusammenarbeit sehr zufrieden: „WaveScape hat unsere Wünsche schnell und professionell umgesetzt“.

Das Ergebnis – eine stadtweite, vollkommen transparente Lärmkartierung, die mit der Zeit und mit der Anzahl der gespeicherten Messungen immer aussagefähiger wird – ist natürlich in ähnlicher Form deutschlandweit auf viele andere Projekte übertragbar, bei denen über die Lärmentwicklung diskutiert wird. Dabei ist der „Noise Immission Analyzer“ eigentlich nur ein „Nebenprodukt“ von WaveScape: Kernkompetenz des Unternehmens ist die Entwicklung von Systemen, die zum Beispiel die Geräuschentwicklung von Maschinen, Lüftungsanlagen und Trafostationen unterdrücken, indem sie Gegenschall erzeugen.

Für den Ideengeber Thomas Fehling ist die Lärmmessung per Smartphone ein Baustein auf dem Weg zur Smart City, in der die intelligente Auswertung von Datenströmen zum Beispiel Energie einspart und Verkehrsströme lenkt: „Städte werden in Zukunft effizienter, fortschrittlicher, grüner und sozial inklusiver sein. Daran arbeiten wir und nutzen dafür modernste Technik.“