Lokales 22.08.2014

Sky-Preiserhöhung für Wirte „eine bodenlose Unverschämtheit“

Osthessen (fs) – Wie beinahe in jedem Jahr erhöht der Pay-TV-Sender Sky auch dieses Jahr die Preise für Gastronomen zum 1. September teils wieder drastisch. „Das ist eine bodenlose Unverschämtheit“, ärgert sich Jochen Köhler, der die Partykneipe „Altstadt“ im Fuldaer Bermudadreieck betreibt. Andere Wirte klagen ebenfalls über die Preiserhöhungen.

Bei Prinz Jochen in der Altstadt gibt es auch weiterhin Sky

„Bisher haben wir 5400 Euro im Jahr bezahlt, jetzt sind es 6600 Euro. Das sind 100 Euro pro Monat mehr“, rechnet Köhler vor. „Das ist eine Steigerung, die unter aller Sau ist. Dabei war das schon im Vorjahr ein massiver Sprung“, macht Köhler seinem Ärger Luft. Ähnlich sieht es bei der Storm-Sportsbar in der Heidelsteinstraße aus: „Die erhöhen die Preise um 20 Prozent und das jedes Jahr. Die sind nicht ganz sauber. Die Gesamtkosten für Sky belaufen sich mittlerweile auf einen fünfstelligen Betrag, das sind gute 1000 Euro pro Monat“, klagt Betreiber Frank Marschalleck. Da in der Sportsbar zwei Receiver betrieben werden, liegen die Kosten umso höher. „Ich verstehe einfach nicht, warum ich für einen Receiver fast das 30-fache dessen zahlen soll, wie wenn ich privat einen Receiver betreibe. Die Preiserhöhung trifft uns hart. Aber wir sind davon abhängig, es gibt keine Alternative“, sagt er.

Jochen Köhler ist da schon einen Schritt weiter: „Ich würde mir diese 6000 Euro im Jahr gerne sparen, aber ich kann es nicht. Das will ich auch meinen Stammkunden nicht antun. Aber wir werden dieses Jahr eine genaue Analyse betreiben, ob sich das überhaupt rechnet. Ich müsste zirka 24.000 Euro netto an Umsatz machen, damit sich Sky rechnet. Wenn es nicht so ist, kommt Sky weg.“ Preiserhöhungen wird es weder in der „Altstadt“ noch in der Sportsbar geben, versprechen Köhler und Marschalleck. Dass die meisten Sportvereine und viele Gastronomen in Großstädten ihre Sky-Verträge bereits gekündigt haben, weil die Preise sich innerhalb von eineinhalb Jahren beinahe verdreifacht haben, können beide verstehen: „Wenn ich darauf verzichten könnte, würde ich es auch abschaffen. Aber Sky sitzt am längeren Hebel“, sagt Marschalleck. Mittlerweile ruft ein Zusammenschluss von Wirten bei facebook zu einem „Sky-Boykott“ auf.

Grund für die extremen Preiserhöhungen ist vor allem eine Umstellung des Berechnungssystems: „Früher wurde nach Quadratmetern berechnet, aber mittlerweile zahlt jemand mit einer kleinen Kneipe genauso viel wie mit einer großen“, ärgert sich Köhler. „Bei uns wird die Küche und der große Tresen mitberechnet. Dabei müsste man das nach Sitzplätzen berechnen. Außerdem gilt Fulda als vergnügungssüchtig und ist deshalb besonders teuer. Da wird nach irgendwelchen Phantastenerhöhungen kalkuliert“, ergänzt Marschalleck. Vor allem ziehe das Argument mit dem größeren Sportprogramm, das Sky als Begründung für die Preiserhöhung anführt, nicht: „Für Beachvolleyball, Golf, Handball oder Hallenhalma kommt niemand zu uns, das juckt kein Schwein. Einzig die Bundesliga am Samstag ist interessant, Champions League kommt spätestens in den Finalrunden im Öffentlich-Rechtlichen. Da ist gar kein Anreiz da“, so Köhler. Früher seien die italienische Serie A oder die spanische La Liga gezeigt worden, die Formel 1 sei auch nicht exklusiv, beklagt Marschalleck:  „Man bezahlt exklusive Preise und kann es nicht exklusiv anbieten.“