Der Fuldaer ist ehrenamtlicher Vorstandsvorsitzender der Deutschen Palliativ Stiftung (DPS). Sitte baute seit den 90er Jahren zunächst in Osthessen die ambulante Hospiz- und Palliativversorgung mit auf und später maßgeblich auch die deutschlandweite Spezialisierte Ambulante Palliativ Versorgung (SAPV). Er hat mittlerweile eine große Zahl von Fachartikeln und viel gelobter Bücher zur Palliativversorgung publiziert. Durch sein ärztliches Engagement geriet er völlig unerwartet in einen Gesetzeskonflikt wegen eines Widerspruchs in der damaligen Gesetzgebung. Er musste nach einem staatsanwaltlichen Ermittlungsverfahrens seine palliativmedizinische Tätigkeit ab 2010 ruhen lassen. Die Deutsche Palliativ Stiftung erreichte Ende 2012 eine Änderung der entsprechenden Vorschriften, wodurch Sitte völlig rehabilitiert ist und wieder arbeiten kann wie zuvor.
„Diese Auszeichnung freut mich sehr und macht mich natürlich auch stolz. Mit etlichen anderen habe ich oft gegen Windmühlen gekämpft und wir haben gemeinsam viel erreicht. Langsam setzt sich überall die Erkenntnis durch, dass sich etwas ändern muss. Auch und gerade die Landesregierung in Hessen hat in den letzten Jahr viel für die Entwicklung getan. Es ist für mich ein klares Zeichen, dass auch die Landesregierung weiter hinter unseren Forderungen für eine bessere Hospizarbeit und Palliativversorgung steht. Hospizlich-palliatives Denken und Handeln muss verbreitet werden“, so der Vorstandsvorsitzende Sitte. Er ist immer wieder in intensiven Gesprächen mit Verfechtern der Tötung auf Verlangen und Beihilfe zur Selbsttötung und weiß: „Es gibt noch sehr viel zu tun. Mit mehr Aufklärung und offener Diskussion können wir dem oftmals verständlichen Wunsch schwerstleidender und unzureichend behandelter Patienten nach einem beschleunigten Tod eine klare und wirkungsvolle Alternative bieten.“ Hier will sich Sitte mit der PalliativStiftung und deren Aktionen, wie zum Beispiel „I run for life“, den Fotowettbewerben und dem Palliativkalender weiter engagieren.
Deutsche Palliativ Stiftung
Die Deutsche Palliativ Stiftung (DPS) hat sich seit ihrer Gründung im Mai 2010 zum Ziel gesetzt, hospizlich-palliatives Denken und Handeln zu verbreiten und die Rechtssicherheit dafür zu verbessern. Neben Lobbyarbeit ist die bundesweite Vernetzung von Aktiven und Einrichtungen eine wichtige Aufgabe der Stiftung, auch die Beratung von Fachleuten, Laien sowie Haupt- und Ehrenamtlichen in Verbänden und Institutionen gehört dazu. Betroffenen und Angehörigen, die sich an die DPS wenden, werden geeignete Ansprechpartner vor Ort vermittelt. Mit Öffentlichkeitsarbeit und Projekten wie den Fotowettbewerben und „I run for life“ sollen weite Teile der Gesellschaft für die Thematik sensibilisiert und über Versorgungsmöglichkeiten informiert werden. Ziel der Stiftungsgründer ist es, dass jeder sagen können soll: „Wie gut, dass ich mich immer auf Hospizarbeit und Palliativversorgung verlassen kann.“ Die DPS bietet im eigenen Deutschen Palliativ Verlag Patientenverfügungen, Kalender, Bücher und Broschüren zur Palliativversorgung an.
Laudatio von Staatsekretärin Petra Müller-Klepper:
„Es ist mir eine große Freude, heute auch Herrn Thomas Sitte hier ehren zu können. Er steht für die Medizinerinnen und Mediziner, die schon früh die Notwendigkeit einer hospizlichen Begleitung und einer guten Palliativversorgung erkannt haben. Er war der erste Arzt, mit dem der damals neu gegründete Hospizdienst in Fulda zusammenarbeitete. Seitdem ist Thomas Sitte aus der hessischen Hospiz- und Palliativlandschaft und seit einigen Jahren auch aus den bundesdeutschen Zusammenhängen nicht mehr wegzudenken. Er hat regional, hessen- und bundesweit wesentlich am Aufbau der ambulanten Palliativversorgung mitgewirkt. Seit 2010 widmet er sich dieser Aufgabe als Mitbegründer der Deutschen Palliativ Stiftung und ist auch deren Vorstandsvorsitzender. Herr Sitte packt nicht nur selber mit an, sondern hat in den letzten Jahren auch bewirkt, dass andere motiviert und befähigt werden, selbst Strukturen der palliativen Versorgung aufzubauen, Patienten zu begleiten und Öffentlichkeitsarbeit für eine bessere Versorgung am Lebensende herzustellen. Für ihn ist es selbstverständlich, dass Hospizarbeit und Palliativversorgung zusammengehören, dass Ehrenamt und Hauptamt in der Sterbebegleitung gleichberechtigt zusammenarbeiten und dass es besser ist, die ambulanten Strukturen zu stärken als über den Bedarf hinaus stationäre Angebote zu schaffen.
Herr Sitte ist auch im Hessischen Sozialministerium seit langem ein gefragter Ansprechpartner. Die von ihm herausgegebenen Palliativ-Pflege-Tipps hat das Ministerium mehrfach nachdrucken lassen, weil sie Angehörigen und ehrenamtlichen Hospizhelfern wertvolle Hinweise für die praktische Unterstützung am Lebensende an die Hand geben. Er arbeitet seit vielen Jahren in der ‚Arbeitsgemeinschaft der Hessischen Landesregierung zur Verbesserung der Sterbebegleitung in Hessen‘ mit und ist als beharrlicher, bescheidener und außerordentlich kreativer Mensch mit einer großen sozialen Kompetenz auch dort unverzichtbar geworden.“
